Agricole und der anonyme Anruf

(Enthalten im Agricole-Band 8, den sie über den shop für nur € 10,- erwerben können)

1.

"Agricole"

"Sie sollten sich mal um Catherine de Lieu kümmern, Kommissar. Die weiß was ... Aaaah .... "

Der Kommissar hörte nur noch etwas Schweres zu Boden fallen, dann war die Leitung tot. Eben betrat Agricoles Partner Richard Renoir das Büro. Beide waren Kommissare bei der Pariser Mordkommission.

"Was ist denn mit dir los, Pierre? Du siehst ja aus, als hättest du einen Geist gesehen."

"Hab ich auch, Richard."

Agricole war ein paar Jahre älter als Renoir und hatte nicht mehr allzulange bis zur Rente. Höchstens ein paar Jahre.

"Kannst du dich an Catherine de Lieu erinnern?"

Richard Renoir runzelte die Stirn.

"War das nicht die Freundin von diesem ... diesem Ramon Cortizzo, dem Betrügerkönig?"

"Genau, Richard. Eben hat jemand angerufen und gesagt, ich solle mich um Catherine de Lieu kümmern, sie wisse etwas. Und dann ... nur noch ein Schrei und die Leitung war tot. Vorher habe ich noch etwas fallen hören ... merkwürdig ... so, als sei er am Telefon ermordet worden ... "

"Und du weißt nicht, wer das war? Tja, dann haben wir nur einen Anhaltspunkt, diese Catherine."

Richard Renoir nannte Zeugen und Beschuldigte gerne beim Vornamen.

"Frag doch mal deine Renée nach der Adresse von Catherine de Lieu. Dann könnte ich sie aufsuchen."

Renée Audriard arbeitete im Pariser Einwohneramt und war seit Jahren mit Kommissar Richard Renoir liiert.

"Ist gut, Pierre. Ich geh mal schnell rüber."

Das Einwohneramt war im selben Gebäude untergebracht wie die Kriminalpolizei. Das erleichterte den unkomplizierten Kontakt. Oft gingen die Kommissare schnell mal dorthin, wenn sie Jemandes Adresse benötigten.

Während Pierre Agricole allein im Büro war, überlegte er, was er Catherine de Lieu fragen könnte. Er hatte ja weder irgendeinen Verdacht noch einen Anhaltspunkt für einen solchen. Ramon Cortizzo hatte sich seinerzeit in Lyon durch den Sprung aus einem Fenster im zweiten Stock in die Rhône der Verhaftung entzogen. Nach dem Aufprall auf der Wasserfläche war sein Körper nicht mehr aufgetaucht. Daher hatte man angenommen, dass er die Flucht nicht überlebt hatte. Einen Tag später war die Leiche eines etwa fünfzigjährigen Mannes flussabwärts gefunden worden und man hatte diese für Cortizzos sterbliche Überreste gehalten. Die Polizisten von Lyon, die ihn verhaften wollten, hatten dann die Sache eingestellt. Niemand hatte damals das Aussehen des Verbrechers gekannt, der aus Argentinien stammte. Agricole könnte vorschützen, einen Hinweis auf das Überleben des Verbrechers erhalten zu haben. Das wäre eine Möglichkeit, der Dame auf den Zahn zu fühlen.

Richard Renoir kam zurück.

"Ich habe die Adresse, Pierre. Catherine de Lieu wohnt in Saint Germain en Laye, Rue de L’Inde Nummer fünfundsiebzig. Willst du gleich aufbrechen?"

Agricole stand von seinem Schreibtisch auf, an dem er gesessen und aus dem Fenster gestarrt hatte.

"Ich werde ein Taxi nehmen, Richard. Du könntest mal deine ‚Freundin‘ Marianne aufsuchen. Bring uns doch mal Kopien der Akten über Cortizzos Tod. Das könnte interessant sein."

Marianne Berlustisse war die Archivarin der Pariser Kriminalpolizei. Vor allem ihr ungeheures Gedächtnis war den Kommissaren schon oft eine unschätzbare Hilfe gewesen. Dass Richard Renoir die fülligen Frauen schätzte, war im ganzen Präsidium bekannt. Insbesondere Marianne Berlustisse, aber auch Renée Audriard fielen in diese Kategorie.

2.

Saint Germain en Laye war ein kleiner Ort nahe bei Paris, in dem vorzugsweise reiche Leute wohnten. Die Rue de L’Inde war eine sehr ruhige Straße ganz am Rand des Ortes. Hier lag eine pompöse Villa neben der anderen, allerdings mit je einem umfänglichen Grundstück drumherum. Das Haus Nummer fünfundsiebzig lag weit entfernt von der Straße. Hinter dem Tor war ein arg verwilderter Garten voller hoher Büsche und etlicher alter Bäume, sodass das Haus mehr zu erahnen als zu sehen war. Agricole drückte einen etwas verrosteten Klingelknopf und wartete dann darauf, was wohl passieren würde. Nach kurzer Zeit kam eine große, hagere Frau mit kurzen Locken vom Haus her zum Tor.

"Ja? Sie wünschen?"

Die Stimme klang wie eine alte, rostige Fahrradglocke.

"Madame de Lieu? Mein Name ist Pierre Agricole, Kommissar Pierre Agricole. Kann ich Sie kurz sprechen?"

Der Frau war keine Unsicherheit anzumerken, als das Wor ‚Kommissar‘ fiel.

"Kommissar? Was wollen Sie denn von mir?"

"Darf ich kurz reinkommen?"

"Bitte. Das Tor ist offen."

Agricole drückte die verschnörkelte Klinke und das Tor öffnete sich leicht quietschend.

"Sehen Sie, Madame, wir haben einen Hinweis bekommen, dass Ihr Freund seinerzeit überlebt hat. Sie wissen schon, Ramon, Ihr Freund Ramon Cortizzo."

Madame de Lieu zog überrascht die Augenbrauen hoch.

"Unser Tippgeber sagt auch, Sie wüssten etwas darüber, Madame."

"Ramon? Und wenn, was wollen Sie dann von mir? Sein Tod ist doch schon zehn Jahre her."

"Ja, sehen Sie, es gibt noch ein paar ungeklärte Fragen. Sicher erinnern Sie sich an den Tod von Bernardo Lucca. Es ist nie geklärt worden, ob Ramon Cortizzo daran gänzlich unschuldig war. Und, Sie wissen ja, Mord verjährt nicht."

Spürte Agricole jetzt nicht eine leichte Unruhe bei der Frau, mit der er sprach? So wie eine ruhige Wasserfläche, die sich plötzlich ganz leicht kräuselt, obwohl von einem Wind nichts zu merken ist.

"Bernardo Lucca? Aber, das war doch ein Unfall ... "

"Das eben ist nie richtig geklärt worden, Madame de Lieu. Aber zurück zu meiner Frage. Wissen Sie irgendetwas über Ramon Cortizzo? Wo er ist, zum Beispiel?"

"Nein, Herr Kommissar. Ich weiß nicht, wo er ist."

Das entsprach der Wahrheit, Agricole spürte es. Das hieß aber nicht, dass sie sonst nichts wusste.

"Gut, Madame. Wenn Ihnen doch noch etwas einfällt, hier ist meine Karte. Sie können mich jederzeit anrufen. Au revoir."

Agricole reichte der hageren Frau seine Visitenkarte, drehte sich um und entfernte sich, nachdem er das Tor mit einem neuerlichen Quietschen geschlossen hatte.

3.

Als der Kommissar sich etwa zehn Meter von dem Tor entfernt hatte, blieb er hinter einer großen Kastanie stehen und beobachtete das Grundstück, das er eben verlassen hatte. Er hatte so eine Ahnung, dass irgendetwas passieren würde. Seine Geduld wurde auf eine lange Probe gestellt. Eine geschlagene Stunde lang geschah überhaupt nichts. Agricole trat von einem Fuß auf den anderen, um sein Blut in Bewegung zu halten. Schließlich hielt ein schwarzer Citroёn DS vor dem Tor und ein Mann stieg aus, der Agricole bekannt vorkam.

"Aber ... das ist doch Albert Briquille. Was macht denn der hier? Ist denn der schon wieder raus?"

Das Tor quietschte. Briquille hatte also das Grundstück betreten.

Jetzt quietschte es wieder. Offenbar war der Besuch nur sehr kurz gewesen. Agricole stand ganz ruhig hinter dem Baum; auf keinen Fall durfte er auf seinem Beobachtungsposten gesehen werden. Zwei Personen stiegen in das Auto, das daraufhin davonfuhr. Natürlich hatte sich Agricole die Nummer notiert und machte sich nun auf die Suche nach einem Taxi. Nach einer Viertelstunde sah er einen Tabakladen. Kurz entschlossen betrat er das Geschäft.

"Kann ich bei Ihnen mal telefonieren?"

Der relativ alte Ladeninhaber wies in den dunklen Hintergrund seines Ladens.

"Da hängt ein Apparat, Monsieur."

"Richard, kommst du mich hier abholen? Dann können wir bei Agathon das weitere Vorgehen besprechen. Ich bin hier in einem Tabakladen in der ... äh, Monsieur, wie heißt die Straße hier?"

"Rue Brassens, Monsieur, Nummer einundsiebzig."

"Also, Richard. Rue Brassens einundsiebzig ... gut, bis nachher."

Das Lokal von Agathon hatte etwas Höhlenartiges. Es war nicht sehr groß und man ging nur zum Trinken hierher. Außer einem Schälchen Oliven auf jedem Tisch gab es hier nichts zu Essen. Agathon, der fast achtzigjährige Wirt, hatte im letzten Krieg ein Bein verloren. Jedermann wusste, dass sich unter der bodenlangen Schürze, die er immer trug, ein Holzbein verbarg.

Er eilte herbei, wenn man das so nennen konnte, als die beiden Kommissare eintraten.

"Monsieur Agricole, Monsieur Renoir. Schön, Sie wieder einmal zu sehen. Einen Pastis, wie immer?"

Agricole und ebenso Richard Renoir schätzten an dem alten Wirt seine freundliche Diskretion. Nie drängte er sich auf oder lauschte heimlich, was die Beiden besprachen.

"Ich bitte darum, Agathon."

Agricole lächelte den Wirt an.

Als die Gläser vor ihnen standen, füllte jeder das seine mit Wasser aus der Karaffe auf, Agricole mit mehr, Richard Renoir mit weniger. Dann tranken Beide einen Schluck und stellten ihr Glas wieder auf den Tisch.

"So, jetzt rück aber raus, Pierre. Ich bin schon ganz gespannt, was du erfahren hast."

Richard Renoir war immer etwas ungeduldiger als sein Partner.

"Albert Briquille, Richard. Sagt dir der Name was?"

Richard Renoir schaute nachdenklich vor sich auf die runde Tischplatte. "Der ... der sitzt doch wegen ... äh ... schweren Einbruchs, oder?"

"Nicht mehr. Ich habe ihn heute gesehen. Rat mal, wo."

"In Saint Germain?"

"Erraten. Eine Stunde, nachdem ich Catherine de Lieu verlassen hatte, ist er bei ihr aufgetaucht."

"Du hast doch nicht so lang da gewartet ... ?"

Agricole sah versonnen vor sich hin.

"Ich hatte eben so ein Gefühl ... "

Richard Renoir lachte.

"Und das hat dich offenbar nicht getrogen, Pierre. Santé."

"Ich denke, sie hat ihn angerufen. Wusste natürlich überhaupt nichts ... wenn er eine Stunde später da war, von wo kann er dann gekommen sein? Was meint du, Richard?"

"Chartres? Oder Evreux? Wenn er von Ramon Cortizzo gekommen ist, falls der noch lebt, dann wohl eher von einem kleinen Ort auf dem Land ... "

"Stimmt, das denke ich auch. Irgendein kleines Nest. Aber, das ist jetzt nur eine Spekulation. Auf jeden Fall denke ich, Briquille weiß etwas. Sonst hätte sie ihn nicht nach meinem Besuch angerufen. Weißt du was? Ich studiere mal die Akten und du kriegst raus, wo er wohnt. Hier ist die Nummer seines Wagens ... eine Pariser Nummer."

Agricole hob die Hand.

"Agathon, zahlen. Wir haben noch viel zu tun."

4.

"Hallo, Renée. Wie geht’s?"

"Frag doch nicht so scheinheilig, Richard. Du willst doch was wissen."

Renée Audriard lachte.

"Genau. Gehst du heute Abend mit mir Essen, Renée? Aber, im Ernst. Wir suchen Jemanden. Kannst du dir ja denken, nicht wahr?"

"Klar. Wie heißt die Frau, Richard? Ich kenne dich doch."

Jetzt lachte auch Richard Renoir.

"Die Frau heißt Albert Briquille."

"Wohnhaft in Paris?"

"Das weiß ich leider nicht, Renée. Ach, kannst du auch mal eine Autonummer checken?"

"Da rufe ich Marguerite an, die arbeitet im Meldeamt für KFZ. Willst du warten, Richard?"

"Ruf mich im Büro an, Renée. Und wegen des Essens, heute Abend im ‚Léon‘, was meinst du?"

Das ‚Vieux Léon‘ war das Restaurant, in das die Kommissare immer gingen, wenn ein Fall abgeschlossen war. Der Wirt hieß allerdings nicht Léon, sondern Louis. Der Name ‚Vieux Léon‘ war einem Chanson von Georges Brassens entlehnt, dessen Musik immer in dem Restaurant zu hören war.

"Gut, Richard. Holst du mich ab?"

Eine Viertelstunde später klingelte das Telefon auf Richard Renoirs Schreibtisch.

"Ach, Renée. Hast du die Adresse?"

"Ja", war die Antwort, "Dein Kunde wohnt in dem Dorf Breteuil in der Nähe von Evreux. Rue Georges Mionne Nummer fünf. Das Auto gehört einem César Gellert. Der lebt offenbar in einem Altenheim hier in Paris. Zum Selberfahren ist der allerdings viel zu alt, glaube ich."

"Danke, Renée. Ich soll dich von Pierre grüßen. Ich hol dich um fünf ab. Bis dann."

"Bernardo Lucca hat sich erschossen ... vor den Augen von Ramon Cortizzo, Richard. Er hatte einen Freund, der ausgesagt hat, dass Luccas Waffe niemals geladen war. Er soll gerne solche drastischen Scherze gemacht haben. Öfter hat er vor den Augen Anderer so getan, als schieße er sich in den Kopf. Aber nur, weil er genau wusste, dass seine Waffe nicht geladen ist. Der Einzige, der die Waffe hätte heimlich laden können, ist offenbar Ramon Cortizzo gewesen."

"Aha, wegen dieser Aussage des Freundes sollte Cortizzo verhaftet werden. Verstehe, Pierre. Dieser Sprung in den Fluss ist ja fast so etwas wie ein Schuldeingeständnis, nicht wahr?"

"Naja, oder es ist eine raffiniert getarnte Flucht. Vergiss nicht, er stammt aus Argentinien ... "

"Was ist mit dem Freund von Bernardo Lucca? Ist dem zu trauen?"

"Lucca war homosexuell. Es war nicht einfach ein Freund, es war sein Lebenspartner, Richard. Hervé Rallier heißt er."

"Tja, wenn Liebe ins Spiel kommt, dann muss man besondere Maßstäbe anlegen. Da hast du Recht, Pierre."

Agricole kratzte sich am Kopf.

"Und wer ist dieser geheimnisvolle Anrufer, Richard? Da wissen wir noch überhaupt nichts."

Richard Renoir stand auf.

"Magst du und Christine mit uns zum Essen gehen, Pierre? Vielleicht können wir dann unsere Gedanken noch ein wenig weiterspinnen ... "

Agricole sah auf die große Uhr über der Tür.

"Gleich fünf. Ich rufe noch schnell Christine an. Bestimmt hat sie Lust. Wohin gehen wir?"

5.

Eine Stunde später saßen die Vier an einem Tisch in dem Restaurant ‚Vieux Léon‘. Louis, der Wirt, brachte eine große Vorspeisenplatte für vier Personen.

"Also, ich blick da noch nicht ganz durch. Wer ist denn nun tot?"

Renée Audriard schob wieder einen Bissen in den Mund.

"Angefangen hat alles mit einem anonymen Anruf bei mir", begann Agricole. "Ich weiß nicht, was da passiert ist. Ein Schrei, etwas Schweres fällt zu Boden, dann ist das Telefon tot. Wie würdet ihr das interpretieren?"

Agricole schaute in die Runde.

"Klingt tatsächlich so, als sei der Anrufer beim Telefonieren ermordet worden, Pierre", sagte Christine. "Gibt es denn überhaupt noch eine andere Möglichkeit?"

"Der Schrei könnte von jemand anders sein, ein Sack Kartoffeln fällt runter und das Kabel des Telefons wird aus der Wand gerissen; meinst du sowas, Christine?", erwiderte Richard Renoir grinsend.

"Nein", sagte Agricole, "ich sehe keine andere Möglichkeit. Jedenfalls nannte der Anrufer den Namen Catherine de Lieu. Die Dame war vor zehn Jahren die Freundin von Ramon Cortizzo. Damals gab es einen ungeklärten Todesfall. Ein Mann, ein Italiener, schießt sich vor Cortizzos Augen in den Kopf. Das hatte er allerdings schon öfter gemacht ... "

"Wie bitte?", unterbrach ihn Renée Audriard, "das geht doch nicht."

"Seine Waffe war nie geladen", führte Richard Renoir die Schilderung seines Partners weiter. "Er liebte solche drastischen Scherze. Nur, dieses Mal war sie geladen. Da stellt sich die Frage, hatte er sie geladen, oder jemand Anderer?"

"Und, wer könnte das sein?"

Christine schaute ihren Pierre erregt an.

"Bernardo Lucca, der Italiener, hatte einen Freund, Hervé Rallier. Die Beiden waren ... nun ... sie waren ein Paar. Der hat später ausgesagt, sowohl er als auch Cortizzo seien den ganzen Tag bei Lucca gewesen. Allerdings habe er, Rallier, Durchfall gehabt. Er sei eine Viertelstunde lang auf der Toilette gewesen. Vorher sei die Waffe nachweislich nicht geladen gewesen. Also bleibe nur Cortizzo als Täter übrig."

Pierre Agricole holte tief Luft. Für ihn war das eine lange Rede gewesen. Er warf seinem Partner einen Blick zu. Der verstand und fuhr fort: "Zwei Tage später sollte Cortizzo in Lyon verhaftet werden. Dem entzog er sich durch einen Sprung aus einem Fenster in die Rhône. Außer Rallier kannte niemand das genaue Aussehen von Cortizzo, der aus Argentinien stammte. Rallier war in Spanien im Gefängnis, weil er sich an einen Jungen herangemacht hatte. Cortizzos Freundin Catherine de Lieu war auch im Ausland. So konnte niemand die Leiche eines Mannes, der einen Tag nach Cortizzos Sprung flussabwärts aus der Rhône geborgen worden war, zweifelsfrei identifizieren. Die Lyoner Polizei nahm an, es sei Cortizzo, und legte den Fall ... oder Unfall ... zu den Akten. So, jetzt wisst ihr soviel wie wir."

"Noch nicht ganz, Richard", sagte nun wieder Agricole, "heute suche ich Madame de Lieu auf und die reagiert auffällig auf meine Fragen. Eine Stunde, nachdem ich sie verlassen hatte, taucht dort ein alter Bekannter auf, Albert Briquille. Irgendwas steckt da dahinter und das hat mit Ramon Cortizzo und dem ‚Unfall‘ zu tun. Das spüre ich."

"Was könnte das denn sein?", fragte nun Renée Audriard.

"Es könnte sein, dass Cortizzo damals überlebt hat. Vielleicht sogar, ohne dass seine Freundin das wusste. Und jetzt hat sie irgendwas erfahren."

"Dann will dein Anrufer dem Cortizzo schaden, nicht wahr? Er will, dass er für seine damalige Tat bezahlen muss."

Agricole lächelte seine Frau an. Er liebte sie auch dafür, wie sie immer bei seinen Fällen mitdachte.

"Ja, Christine. Ich denke, er hatte Kenntnis davon, dass Catherine de Lieu vor kurzem etwas von Ramon Cortizzo gehört hat. Das wollte er mir mitteilen. Doch irgendjemand hat das verhindert. Da ich keinen Schuss gehört habe, muss er ihn wohl erstochen haben."

Richard Renoir räusperte sich.

"Wir müssen sie und Albert im Auge behalten, Pierre. Morgen setzen wir Dillet und Barrault auf das saubere Pärchen an, was meinst du?"

"Genau, das tun wir, Richard."

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